Die Konferenz der Vögel Theater Marabu Bonn

Wild und phantastisch wie die mythische Vogelschar des gleichnamigen iranischen Mythos, flattert das Ensemble durch eine Vielzahl traumhafter Choreographien, kreis kunstvoll im Schwarm über die Bühne, schwingt sich synchron zu Hoffnungen auf und stürzt auf Flügeln der schieren Verzweiflung in finstere Aussichtslosigkeit. In Dialogen und Vorträgen, mit Poesie und Wut im Bauch, verhandeln die Darsteller gesellschaftlich und politisch relevante Themen wie Klimawandel, die Angst vor Radikalisierung und rechten Strömungen, die allumfassende Digitalisierung, den Verlust positiver Zukunftsperspektiven und einer hoffnungslos vergrauter Gegenwart. Die Hoffnung der mitunter düsteren und doch tief berührenden, inspirierenden und unbedingt sehenswerten Inszenierung von Tina Jücker und Claus Overkamp liegt im Wilden und Ungezähmten, im freien Flug der Protagonisten durch die eigenen Zweifel.
DIE KONFERENZ DER VÖGEL ist eine große mystische Dichtung der persischen Literatur. Sie wurde im 12. Jahrhundert von Farid ud-Din Attar im Iran verfasst. In der Fabel treffen sich tausende Vögel, die den bedauernswerten Zustand der Welt beklagen, und beraten, was zu tun sei. Nach langem Hin und Her und vielen Ausreden beschließen sie, den Wundervogel Simurgh um Rat zu bitten, der auf dem Berg Kaf leben soll. Auf dem beschwerlichen Weg kehren viele um, viele verlieren das Ziel aus den Augen, viele bleiben auf der Strecke. Am Ende sind es nicht mehr als 30 Vögel, die herausfinden, das Simurgh nicht anderes Bedeutet, als „Dreißig Vögel“. Sie selbst sind die Antwort.
Im neuesten Stück des Jungen Ensembles des Theaters Marabu werden die sich drängenden Fragen der Gegenwart gestellt, mit großem Spieltrieb in Szene gesetzt – und letztlich auf äußerst eindrucksvolle Weise gelöst. Nicht zuletzt deswegen ist „Die Konferenz der Vögel“ eine der stärksten und intelligentesten Bühnenproduktionen der vergangenen Jahre, die das Publikum packt, es zum Nachdenken bringt. Und letztlich zum Mitmachen.
Ein Versuch zur Überwindung der Hindernisse, die uns abhalten, unser Wissen in Taten umzusetzen.
Foto: © Ursula Kaufmann
60 Minuten
14+
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